Die alternde Katze

Die Lebenserwartung der Katze nimmt in den letzten Jahren durch qualitativ hochwertige Fütterung und immer besser werdende Gesundheitsvorsorge ständig zu ...

 Alte Katzen brauchen einen warmen Platz! Alte Katzen brauchen einen warmen Platz!

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Katzen mit 16, 18 oder 22 Jahren sind heutzutage durchaus keine Seltenheit mehr. Klarerweise gehen damit auch altersbedingte körperliche und psychische Veränderungen einher, die in früheren Jahren nur selten beobachtet wurden.

Welche Auswirkungen hat nun das Alter auf den Körper und die Psyche der Katze ?

 

Ganz allgemein kann man sagen, dass Katzen sehr würdevoll altern und oft bis ins ganz hohe Alter nur wenig ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten verlieren.

Körperliche Entwicklung

 Hyperthyreose ist eine häufige Erkrankung Hyperthyreose ist eine häufige Erkrankung

Ab dem 8. bis 10 Lebensjahr spricht man von der alternden Katze. Die körperliche Aktivität nimmt je nach Persönlichkeit langsam ab und die Katze wird ruhiger. Spätestens in dieser Lebensphase ist ein gründlicher jährlicher Gesundheits-Check - körperliche Untersuchung, Gewichtskontrolle einschliesslich einer Blutuntersuchung - sehr zu empfehlen.

Katzen mit anfangs schleichend verlaufenden Erkrankungen wie chronischer Niereninsuffizienz, Herz- oder Tumorerkrankungen verhalten sich ausgesprochen unauffällig - sie sitzen nur etwas mehr und ruhiger herum - bis es für eine wirksame Therapie zu spät ist !

Die Symptome der Katze bestehen also eher im Fehlen von Verhalten wie verminderte Bewegung, reduziertes Putz- oder Markierverhalten, weniger soziale Kontakte und Rückzug als in der viel auffälligeren Produktion von Verhalten.

Typische Erkrankungen der alten Katze sind:

o          Erkrankungen der Zähne und der Mundhöhle: Zahnstein, Entzündungen des Zahnfleischs und Defekte an den Zähnen können bei der Katze in jeder Altersphase auftreten. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch die Häufigkeit. Die Schäden für die Katze sind katastrophal: alle diese Störungen in der Mundhöhle sind hochgradig schmerzhaft! Das gilt auch für diejenigen Katzen die angeblich "ganz normal fressen". Wenn man sich nur am Fressen als einzigem Massstab für das Wohlbefinden der Katze orientiert mutet man ihr ganz schön viel Zahnschmerz zu. Zusätzlich werden von diesen schlechten Zähnen massenhaft Bakterien über die Blutbahn im ganzen Körper verstreut und führen zu weiteren Organschäden an der Niere, an den Herzklappen und den Gelenken. Eine regelmässige Kontrolle der Zahngesundheit und die allfällige Sanierung der Mundhöhle ist eine der wichtigsten aktiven Vorsorgemassnahmen für die alternde Katze.
Das oft gefürchtete Narkoserisiko ist in Zeiten eines modernen Narkoseregimes keine Rechtfertigung einer älteren oder alten Katze ständige Schmerzen und eitrige Zahnherde zuzumuten.

o          Nierenerkrankungen: Mit zunehmendem Alter kann die Nierenfunktion bei der Katze nachlassen. Durch die heute schon mögliche Früherkennung dieser chronischen Niereninsuffizienz können Katzen bereits zu einem Zeitpunkt behandelt werden bevor noch die ersten Symptome sichtbar werden. Wenn die typischen Symptome wie vermehrtes Trinken, reduzierter Appetit, Erbrechen und schliesslich die völlige Austrocknung und Vergiftung mit harnpflichtigen Stoffen (Urämie) sichtbar werden ist es eigentlich schon zu spät. Eine einfache Blut- und/oder Harnuntersuchung (je nach Test) beim Gesundheits-Check ab dem 8. Lebensjahr ist die beste Voraussetzung diese häufige Störung rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

o          Schilddrüsenüberfunktion: Die Überfunktion der Schilddrüse ist eine weitere häufige Erkrankung der alternden Katze. Die betroffenen Katzen verlieren Gewicht obwohl sie gut oder sogar vermehrt fressen, die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen in katastrophale Höhen. Einige Katzen werden reizbar und unruhig, andere sind auffällig matt. Durchfall und Erbrechen können weitere Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sein. Es gibt verschiedene sehr effektive Behandlungsmöglichkeiten für diese Erkrankung; ohne Behandlung sterben diese Katzen an der Abmagerung und den Organschäden (s.o. Niereninsuffizienz).

o          Gelenkserkrankungen: Abnützungserscheinungen und chronische Gelenksschmerzen werden von der älteren Katze eher unauffällig ertragen. Vor allem die kleinen Gelenke an den Zehen, am Hand- und Sprunggelenk, aber auch das Knie- und Hüftgelenk sind betroffen. Die Katzen vermeiden Sprünge zu ihren bevorzugten erhöhten Sitzplätzen oder überlegen ausnehmend lange bevor sie springen. Insgesamt bewegen sich diese Katzen weniger, etwas steif und langsam. Auch hier ist die genaue Beobachtung der Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen der Katze ganz besonders gefragt, um ihr weitere Schmerzen durch eine entsprechende Therapie zu ersparen.
Die verminderte Elastizität des Krallenmechanismus kann dazu führen, dass die Krallen zu lange werden, in den Ballen einwachsen oder die Katze immer wieder hängen bleibt und sich Zerrungen zufügt. Die Krallen sollten daher bei der alten Katze in regelmässigen Abständen kontrolliert und allenfalls gekürzt werden!

o          Weitere Erkrankungen: Alte Katzen können genauso wie Hunde an Herzerkrankungen leiden - das Problem ist, dass die reduzierte Leistungsfähigkeit erst viel zu spät erkennbar wird. Eingehende Untersuchungen wie ein Herzultraschall sind daher schon beim leisesten Verdacht sehr sinnvoll, denn es gibt bei rechtzeitiger Diagnose gute Therapiemöglichkeiten.
Leider sind alte Katzen auch nicht vom zunehmenden Risiko einer Tumorerkrankung ausgenommen - Fibrosarkome, Lymphome oder Plattenepithelcarcinome (in der Mundhöhle!) gehören zu den häufigen Todesursachen bei der alternden Katze.

Psychische Veränderungen

Ab 12 bis 14 Jahren sind bei Katzen immer wieder einmal einzelne Symptome von seniler Demenz zu beobachten. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für diese wunderlichen Verhaltensweisen:

o          Übermässiges Miauen: Exzessives Miauen ist eines der häufigsten psychischen Symptome bei der alten Katze. Vor allem nachts, in manchen Fällen auch tagsüber, beginnen ältere Katzen in stereotyper Weise zu miauen. Einige dieser Katzen erscheinen richtig verwirrt und können sich nicht orientieren, wenn sie nachts erwachen. Ein ruhiges Ansprechen mit dem Namen, um einen Kontakt herzustellen und ein ausreichend warmer und sicherer Schlafplatz kann hier Abhilfe schaffen. Körperliche Störungen wie durch Bluthochdruck bedingte Kopfschmerzen (Schilddrüsenüberfunktion!) müssen unbedingt ausgeschlossen oder behandelt werden. In schlimmeren Fällen von demenzbedingtem nächtelangem Miauen können bei dieser altersbedingten Störung auch Medikamente zur Stabilisierung eines vernünftigen Schlaf-Wach-Rhythmus eingesetzt werden.

o          Unsauberkeit: Viele körperliche Störungen (s.o.) können sich in Unsauberkeit äussern - eines der wenigen auffälligen und so oft missverstandenen Symptome der Katze. Wenn bei der als erster Schritt durchgeführten tierärztlichen körperlichen Untersuchung nicht der geringste Hinweis auf eine Störung (Schmerzen!!) gefunden werden kann, ist eine Optimierung des Katzenklo-Managements sehr sinnvoll. Alte Katzen benötigen sehr leicht zugängliche Katzentoiletten im unmittelbaren Wohnbereich, diese sollten ausreichend gross und offen sein (anstrengungsfreies Umdrehen ohne sportliche Balanceakte muss möglich sein!) und sehr sauber gehalten werden.

o          Desorientiertheit: Verlust der Sauberkeit aufgrund von Senilität - Vergessen und Orientierungsschwierigkeiten -  ist selten kommt aber bei sehr alten Katzen hin und wieder vor. Diese Katzen wandern auch oftmals scheinbar sinn- und planlos durch die Wohnung und wirken verwirrt wenn man sie anspricht. Der Lebensraum einer senilen Katze sollte in diesem Fall etwas kleiner und übersichtlicher gestaltet werden. Der zeitliche Tagesablauf sollte stabil und für dei Katze vorhersehbar sein.

Am Ende eines Katzenlebens

Auch mit der besten Betreuung und Behandlung wird die Katze irgendwann am Ende ihres Lebens stehen. Erkrankungen können unheilbar sein oder trotz einer Therapie fortschreiten.

Der Gedanke über das Leben oder den Tod ihrer Katze entscheiden zu müssen bereitet vielen Besitzern grosse Sorge. In Wirklichkeit ergibt sich diese Entscheidung aber aus den Umständen und Tatsachen - es gibt niemanden, der hier eine Entscheidung treffen muss - es ergibt sich. Für die ein Leben lang geliebte und betreute Katze offen zu bleiben und ihr den Abschied einfach nur zu erlauben ist alles, was erforderlich ist! Das Wesentliche eines Katzenlebens wird in jedem Fall bleiben ...