Sport und Spiel als Beschäftigung für Hund und Besitzer

Hunde brauchen nicht nur Bewegung sondern auch Beschäftigung – soziale Beschäftigung in Kooperation mit Menschen oder Hunden und intellektuelle, mentale Beschäftigung …

Der Grossteil der Hunde, die heute mit uns leben, ist in hohem Masse unterbeschäftigt. Der Hund hat im modernen Alltag eine eher ornamentale oder emotional bereichernde Funktion als die einer bestimmten Aufgabe. Ursprünglich hatten jedoch die meisten Hunde eine bestimmte Aufgabe, einen Job, der von ihnen erwartet wurde. Dazu gehört zum Beispiel die Mithilfe bei der Jagd wo der Hund beim Aufstöbern, Vorstehen, Apportieren oder Nachsuchen eingesetzt wurde. Oder auch das Bewachen und Verteidigen des Territoriums wofür sich der Hund als territorial organisiertes Wesen gut eignet und wofür viele Rassen auch speziell selektiert wurden. Heute leben diese für jagdliche Zwecke gezüchteten Rassen oftmals ohne bestimmte Aufgabe mit der Familie im Reihenhausgarten.

Aber selbst ohne für einen bestimmten Zweck gezüchtet worden zu sein, hat der Hund ein relativ hohes Bedürfnis für Beschäftigung. Alleine mit der Beschaffung und Aufnahme von Nahrung verbringen Hunde unter Bedingungen, wo sie sich selbst versorgen müssen, mehrere Stunden des Tages. Dazu kommt der Zeitaufwand für Flirten, Paarung und Jungtieraufzucht, wenn der Hund unter Gegebenheiten lebt, die ihm dies ermöglichen, wie zum Beispiel in vielen südlichen Ländern oder in Asien, Afrika und Südamerika.

Die Frage ist, ob ein Hund glücklicher ist, wenn er alles bekommt, was er braucht, dafür aber vor Langeweile vergeht oder Aktivitäten entdeckt, die zum Verhaltensproblem werden und wiederum die Beziehung zum Menschen beeinträchtigen.

Die meisten Hundebesitzer haben zwar eine ungefähre Vorstellung, dass der Hund ausreichend Bewegung braucht, sein Bedürfnis für geistige und intelligente Beschäftigung wird aber immer noch häufig völlig vergessen oder zumindest unterschätzt.

In der verhaltensmedizinischen Konsultation werden sehr viel mehr intelligente und pfiffige Hunde mit problematischem Verhalten vorgestellt … diese Hunde finden sich nicht mit dem Beschäftigungsmangel ab und suchen und finden sich eigene Wege.

Spiel als Selbstkontrolle oder Früh übt sich

Wenn Welpen auf die Welt kommen, haben sie keinerlei Kontrolle über sich selbst. Zunächst entwickeln sie in den ersten Lebenswochen ihre körperlichen, sinnlichen und emotionalen Fähigkeiten: Sie lernen gehen, stehen und sitzen, sich zu kratzen ohne Umzufallen, etc. Sie lernen auch sehen und hören, denn sie sind blind und taub; können nur Gerüche, Körperberührung und Wärme wahrnehmen, wenn sie neugeboren sind. Auch die Emotionen müssen mit der Gehirnentwicklung erst nach und nach erfahren werden, die Neugier kommt vor der Angst.

Die Hundemutter bringt ihren Welpen schon beim Belecken für die Ausscheidung bei, sich stillzuhalten, indem sie sie auf die Seite oder den Rücken dreht und so fixiert, bis sie mit dem Harn- und/oder Kotabsatz fertig sind.

Im Spiel mit den Geschwistern lernen die Welpen, die Festigkeit ihres Zubeissens zu kontrollieren, denn wer zu fest beisst, wird zurückgebissen oder verliert seinen Spielgefährten, weil der keinen Spass an seinem groben Spielpartner hat. Innerhalb weniger Wochen können Welpen auf diese Art lernen, ihr Zubeissen genau zu kontrollieren und zu dosieren.

Die Hundemutter setzt ihre Erziehung zur Selbstkontrolle fort, wenn die Welpen um die fünf Wochen alt sind. Mitten im Spiel sucht sie sich einen aus und fixiert ihn liegend auf dem Boden, bis er stillhält und dann darf er wieder frei spielen. Auf diese Art lernt der Welpe, dass er seine Freiheit bekommt, wenn er sich selbst stoppt und stillhält.

Auch im Kontakt mit anderen Hunden wendet der Welpe später diese erfolgreiche erlernte Strategie spontan an.

Emotionale und körperliche Selbstkontrolle ist die grundlegende Voraussetzung für alle weiteren Aktivitäten im späteren Leben, sei es die kooperative Jagdstrategie oder die fein abgestimmte soziale Kommunikation oder das soziale Spiel.

Bei der Auswahl eines Welpen sollte darauf geachtet werden, dass er eine solide Erziehung zur Selbstkontrolle von seiner Mutter oder einem anderen erwachsenen Hund bekommen hat:

  • Die Mutter oder ein anderer erwachsener Hund sollte mindestens bis zur 6. Woche, noch besser bis zur 8. bis 12. Lebenswoche bei den Welpen anwesend sein.
  • Junge, unerfahrene oder erschöpfte Hundemütter sollen Unterstützung durch einen anderen Hund bekommen.
  • Eine soziale kompetente erfahrene Hundemutter ist in der Lage bis zu fünf Welpen zu erziehen. Für grössere Würfe sollte sie Unterstützung bekommen.
  • Hyperaktive Hündinnen sind nicht in der Lage ihren Welpen Selbstkontrolle beizubringen da sie selbst keine (ausreichende) haben.

Im Kontakt und Spiel mit dem Menschen muss der Welpe und Junghund in seiner Selbstkontrolle gefördert und unterstützt werden! Vom ersten Tag an. Grobheit im Spiel legt sich nicht automatisch, wenn der Junghund älter wird.

Das bedeutet, dass alle Spiele mit dem Welpen auch eine erzieherische Funktion haben, ihn in seiner Selbstkontrolle zu fördern.

Vor allem Männer und manche Kinder haben grossen Spass, den Hund im Spiel so hochzudrehen, dass die Selbstkontrolle verloren geht. Spätestens wenn der Junghund etwas älter und dann wirklich grob wird oder Verletzungen verursacht, hört der Spass auf.

Im Alltag mit dem Junghund ist daher zu beachten:

Fördert Selbstkontrolle Unterminiert Selbstkontrolle
  • Kontrolliertes Spiel nach bestimmten Regeln.
  • Wenn sich der Hund nicht an die Regeln hält endet das Spiel.
  • Die Spielintensität so halten, dass der Hund nicht zu aufgeregt wird.
  • Spielende, wenn der Hund zu aufgeregt oder zu grob wird.
  • Den Welpen gelegentlich im Spiel in Seiten- oder Rückenlage festhalten bis er sich entspannt – dann sofort freigeben und weiter spielen.
  • Menschliche Haut ist für Hundezähne tabu – es sei denn der Hund wurde ausdrücklich dazu eingeladen.
  • Unkontrolliertes Spiel ohne Regeln.
  • Wildes Spiel, das so eskaliert bis der Hund grob und übermässig aufgeregt wird.
  • Grobe Balgespiele, bei denen der Hund zubeissen, reissen und schütteln darf, soviel er will.
  • Zerrspiele oder Jagdspiele, bei denen der Hund nicht mehr zu bremsen ist.

 

Beispiele für kontrolliertes Spiel:

  • Ballspiel – der Hund soll den Ball bringen, auslassen und ruhig warten bis er wieder geworfen wird.
  • Zerrspiel – der Hund darf zerren und reissen, muss aber aufhören oder loslassen, wenn er aufgefordert wird.
  • Ein Objekt mit der Nase berühren („küssen“) aber erst nehmen, wenn er die Erlaubnis bekommt.
  • Das Laufspiel sofort stoppen und wie eine Statue völlig teilnahmslos werden, wenn der Hund beginnt, in die Beine, Hände oder Kleidung zu schnappen. Die Hände einstecken oder Arme verschränken.  Das Spiel geht erst weiter, wenn sich der Hund zurücknimmt. Kindern sollte das aktiv gezeigt und mit ihnen geübt werden.
  • Wenn der Hund zwickt oder grob ist mit einem deutlichen „au“ vorwarnen und den Hund unmittelbar im Kopf- oder Halsbereich kurz und fest zurückzwicken.

 

Spiel als Bindungsförderung

Neben der Entwicklung und Förderung der Selbstkontrolle ist das gemeinsame Spiel natürlich ein wesentlicher Faktor für den Aufbau einer intensiven Beziehung zum Hund.

Die soziale Bindung zwischen Mensch und Hund erleichtert die Erziehung ganz erheblich und … macht sie ganz bestimmt freundlicher.

Im spielerischen Kontext kann der Menschen lehren lernen und der Hund lernt zu lernen. Beide Partner vertiefen auf diese Weise ihr gegenseitiges Verständnis – es ist nun einmal nicht selbstverständlich, dass sich zwei verschiedene Arten mit unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten verständigen können. Über das Spiel kann in einer entspannten und heiteren Atmosphäre eine gemeinsame Ebene entstehen.

Spielen ist also nicht nur sinnfreie Aktivität sondern hilft dem Hund sich im menschlichen Leben, in seiner komplexen Umwelt und im Alltag besser zurecht zu finden. Der Hund lebt zwar seit vielen Jahrtausenden in menschlicher Gemeinschaft, aber er ist immer noch eine andere Art und muss das enge Zusammenleben und seine spezielle Umwelt erlernen.

 

  • Schon auf den ersten Spaziergängen soll der Junghund spielerisch lernen, auf seinen Besitzer zu achten – und nicht umgekehrt. In einer ungefährlichen Umgebung ohne Strassenverkehr soll sich der Besitzer verstecken, wenn sein Hund einen Moment unaufmerksam ist. In dieser plötzlichen Situation des Alleinseins ist der Junghund auf sich selbst gestellt – er kann und soll aber natürlich bei der Suche mit leisen Geräuschen unterstützt werden, bevor er verzweifelt. Das Finden wird ausgiebig gelobt und belohnt. Nach einigen solcher Versteckspiele sollte es für den Besitzer eine richtige Herausforderung sein, den Hund noch einmal in einem unachtsamen Moment zu erwischen, um sich zu verstecken.
  • Junghunde sind immer wieder mit neuen Situationen und Problemen konfrontiert – das kann eine höhere neue Stufe vor der Praxis oder ein anderes Hindernis sein. Der Besitzer sollte seinem Hund die Zeit und den Raum geben, dieses Problem selbst zu bewältigen und ihn nicht immer sofort retten oder helfen. Mit ein bisschen Geduld und spielerisch leichter Anregung oder Futter hat der Junghund ein Erfolgserlebnis, wenn er ein solches Problem bewältigt hat. Der Junghund gewinnt über diese kleinen Erfolge Zuversicht und traut sich auch in Zukunft aufregendere neue Dinge zu anstatt von seinem Besitzer zur Hilflosigkeit zu lernen.
  • Neben dem bereichernden Erfolgserlebnis lernt der Hund bei solchen Aktionen auch die gemeinsame Freude und das anerkennende Lob seines Besitzers als Belohnung kennen.
  • Neue Orte und Hindernisse können auch gemeinsam untersucht und erforscht werden. Indem man sich als Mensch auch für eine bestimmte, vielleicht etwas bedrohliche Sache interessiert und sie untersucht, kann der Hund vertrauen gewinnen. Je öfter er mit seinem Menschen gemeinsam an einer solchen Expedition Spass hat, desto tiefer kann sich sein Vertrauen entwickeln.

Nur selten haben Hunde und Menschen die gleichen Interessen, wenn sie auf einem Spaziergang unterwegs sind: Der Hund möchte seinen Neigungen nachgehen, schnuppern, jagen, andere Hunde oder sogar Menschen anpöbeln und der Mensch ist innig daran interessiert ihn von vielen dieser Aktivitäten abzuhalten – ohne jedoch einen akzeptablen und spannenden Gegenvorschlag zu machen! So wird der gemeinsame Spaziergang zur Parallelveranstaltung…

  • Mit spielerischen Einlagen und Aktivitätsvorschlägen, Suchspielen und selbst freundlichen Unterordnungsübungen sollte der Spaziergang auch für den erwachsenen Hund noch immer abwechslungsreich gestaltet werden – umso mehr wenn der Hund sich selbst Beschäftigungen gefunden hat, die problematisch sind.
  • Es gibt Hunde, die kein oder nur wenig Interesse an anderen Hunden haben, dafür aber eine sehr innige Beziehung zum Sozialpartner Mensch. Manche Hunde leben heute ja auch wesentlich intensiver mit Menschen zusammen und verbringen mehr Zeit mit ihnen als mit Artgenossen. Wenn Hunde kein wirkliches Interesse am Spiel mit Artgenossen haben, muss man sich fragen, ob man sie auf Hundewiesen zu solchen Kontakten zwingen soll … Meistens erfreuen sich diese Hunde an einer gemeinsamen Aktivität mit ihrem Menschen mehr.

Futter als lebenswichtige Motivation

Futter ist nicht die einzige, aber eine sehr wichtige Motivation für Hunde. Da Futter lebenswichtig ist, gibt es keinen Hund, der nicht durch Futter zu motivieren wäre … früher oder später. Die Wölfe im Wolfspark von Ely, Minnesota bekommen einmal pro Woche, am Sonntagabend, zu fressen und die übrige Zeit kleine Leckerbissen, die sie sich selbst aus Verstecken suchen oder aus dem Teich fangen müssen.

Futtersuche und Futteraufnahme als motivierende Beschäftigung für den Hund ist auch artgerecht. In der Natur des Hundes, und jedes anderen Lebewesens,  ist es vorgesehen, einige Zeit mit dem Auftreiben und Suchen von Futter und mit der Futteraufnahme zu verbringen.

Als Mensch sind wir mit diesen Tätigkeiten doch einige Zeit befasst: Geld verdienen, Nachdenken, was man einkauft, einkaufen, nach Hause transportieren, wegräumen, zubereiten, aufdecken und essen. Da können schon einmal vier oder mehr Stunden Arbeit dahinterstecken. Und der gut versorgte Familienhund? Bekommt sein Futter ein- oder zweimal täglich, ohne dass er sich darum besonders bemühen müsste, hingestellt und frisst in wenigen Minuten. Was soll er mit der restlichen Zeit, die von seiner Genetik für Futter organisieren vorgesehen wäre, anfangen?

Was ist also logischer, als dem Hund Beschäftigung zu ermöglichen, indem man ihm sein Futter nicht so einfach und leicht zukommen lässt?

Futter kann einerseits als Belohnung für die (Erziehungs-)Arbeit, für die Leistungen die der Hund in Kooperation erbringt, verwendet werden. Im Grunde genommen könnte sich der Hund seine gesamte tägliche Ration auf diese Weise verdienen – über den Tag verteilt oder konzentriert während eines Spaziergangs.

Der erste Schritt ist, den Besitzer überlegen zu lassen, ob er seinem Hund wirklich Gutes tut, wenn er sein Futter völlig ohne Arbeit bekommt.

Nach den ersten Versuchen, den Hund sein Futter verdienen zu lassen, ist für den Besitzer unmittelbar erkennbar, um wie viel aufmerksamer und engagierter der Hund wird.

Der andere Weg, Hunde mit Futter zu beschäftigen ist unabhängig von gemeinsamen Aktivitäten. Der Hund kann sich sein Futter autonom organisieren, aber eben nicht mehr in kürzestmöglicher Zeit aus dem Futternapf. Diese Art der Futterbeschäftigung ist vor allem für die Zeiten interessant, in denen der Hund alleine bleiben muss.

Eine einfache und wenig zeitaufwendige (für den Besitzer) Technik wäre zum Beispiel, die Trockenfutterration verstreut in den Garten zu werfen und der Hund muss sich seine Kroketten selbst zusammensuchen.

Futter kann auch in der Wohnung versteckt werden, um es den Hund dann suchen zu lassen.

Mit einigen Hilfen wird der Zeitaufwand für die Futteraufnahme deutlich erhöht:

  • BusterCube
  • BusyBuddy
  • Kong (mit vielen Rezepten aus dem Internet)
  • Petflaschen mit Futter füllen und vom Hund erarbeiten lassen.

 

Weniger der Nahrungsaufnahme als dem Befriedigen des Kaubedürfnisses dienen Kauspielzeuge oder Knochen, wobei echte Knochen so gross und stabil sein sollten, dass der Hund sie nicht fressen, sondern nur Fleischreste abnagen kann (zum Beispiel ganzer Humerus oder Femur eines erwachsenen Rindes).

Die Nagebeschäftigung mit anderen Kauobjekten hängt von der Motivationslage und individuellen Vorlieben des Hundes ab. Ein sattgefressener Hund wird oft wenig Interesse haben an einem Kautschukknochen oder sogar einem Büffelhautknochen zu nagen.

Im Haushalt mit mehreren Hunden müssen die Hunde so gesichert sein, dass kein Streit um besondere begehrte Objekte entstehen kann – also entweder jeder mit Leine an seinem Platz gesichert oder in unterschiedlichen Räumen.

Modell der unterschiedlichen Aktivitäten

Um dem Besitzer die Aktivitätsbedürfnisse des Hundes leichter zu vermitteln, kann ein kleines Modell der unterschiedlichen Aktivitäten entwickelt werden.

Diese Modell entspricht ebenso wenig der exakten Realität wie eine Strassenkarte der tatsächlichen Strasse – aber nützlich sind dennoch beide.

Die Gesamtaktivität des Hundes ist aus verschiedenen Elementen in Unterkategorien zusammengesetzt:

  • Gesamtaktivität
    • Motorische Aktivität wie laufen, springen, spielen, graben, etc.
    • Kauaktivität: kauen, nagen, knabbern, lecken, etc.
    • Vokale Aktivität: bellen, heulen, jaulen, winseln, etc.
    • Intellektuelle Aktivität: lernen, Zusammenhänge erfassen, Lösungen suchen, nachdenken, differenzieren, Gerüche analysieren, etc.

In einer Formel zusammengefasst kann das so aussehen:

Gesamtaktivität = motorische Aktivität + Kauaktivität + vokale Aktivität + intellektuelle Aktivität

Der Sinn dieser Formel ist unter anderem auch zu erkennen, wie sich Beschäftigung zusammensetzen kann und dass einige Aktivitäten andere bis zu einem gewissen Grad ersetzen können. So kann ein Hund, der sehr viel bellt, durch mehr Kauaktivität leiser werden.

Ein häufiger Lösungsansatz Hunde zu beschäftigen ist, die Bewegungsaktivität zu erhöhen. Der Hund ist unausgelastet, also muss er mehr laufen! Das Ergebnis dieser Strategie ist ein Hund mit einer unheimlich guten Kondition und ein Besitzer, der bald am Ende seiner konditionellen oder zeitlichen Möglichkeiten angelangt ist, um dem Hund seinen nunmehr gewohnten Auslauf zu bieten.

Hund mit jagdlichen Ambitionen oder einer Tendenz zum Streunen, können nur selten motorisch ausgelastet werden.

Mit anderen Arten der Beschäftigung und hier vor allem mit intellektueller Aktivität kann ein Teil des Bewegungsbedürfnisses ersetzt werden. Dabei steigt der Zeitaufwand für den Besitzer nicht übermässig an, denn die mentale Aktivität ist für den Hund viel anstrengender und letztlich auch befriedigender als das sinnfreie Joggen durch den Wald.

Insbesondere für ältere und körperlich beeinträchtigte Hunde ist die mentale Aktivität eine hervorragende Möglichkeit weiterhin aktiv zu bleiben.

Intelligente Spiele

Intelligente Spiele erfordern vom Besitzer ein hohes Mass an Kreativität, denn Hunde, die es gewohnt sind, geistig gefordert zu werden, wird schnell langweilig. Damit wird die intellektuelle Beschäftigung des Hundes zum lebenslänglichen Spiel, wer die besseren Ideen hat und wer die Sache schneller erfasst und begriffen hat.

Intelligente Spiele haben den Vorteil, dass sie nicht unbedingt viel Platz brauchen und sowohl drinnen als auch draussen gespielt werden können. Selbst alte und sogar blinde Hunde können auf diese Weise noch beschäftigt werden – und sie danken es einem mit einer geistigen Fitness bis ins hohe Alter.

  • Begriffe beibringen: Die erste Etappe auf dem Weg zum intelligenten Spielen ist, dem Hund die verschiedenen Namen und Begriffe beizubringen. Hunde können zwischen 200 und 300 verschiedene Namen und Begriffe erlernen und unterscheiden. Weitaus genug, um einige Jahre beschäftigt zu sein! Durch Zeigen, zeitliche oder räumliche Nähe in Verbindung mit dem Begriff können dem Hund die Namen von Objekten, Menschen und Orten beigebracht werden: Badezimmer, Schlüssel, Erich, Korb, Ball, …
  • Spielzeug differenzieren:  Wenn der Hund die Namen seiner Spielzeuge kennt, kann er aufgefordert werden, ein bestimmtes Spielzeug zu bringen. Dann wird entweder gespielt oder erhält eine Futterbelohnung.
  • Gerüche differenzieren: Ebenso wie Objekte können Hunde auch lernen bestimmte Gerüche zu unterscheiden und vor allem das Finden des erwünschten in verständlicher Weise zu kommunizieren. Das können nicht nur Suchtgift- und Sprengstoffsuchhunde lernen sondern auch der kleine Malteser im Wohnzimmer. Der Hund kann zum Beispiel lernen, Objekte anzuzeigen, die den Geruch seines Besitzers tragen. Eine andere Möglichkeit ist das Anzeigen eines bestimmten Geruches wie Knoblauch oder Erdnuss, indem der Hund immer belohnt wird, wenn er in einem grösseren Sortiment die richtige Wahl trifft.
  • Suchspiele: In der Wohnung oder im Freien, bei einem Spaziergang können für den Hund Objekte oder Futter versteckt werden, die er suchen muss. Die Kooperation mit dem Menschen wird gefördert, wenn der Hund an das gefundene Objekt nicht alleine herankommt, wie zum Beispiel auf einem Baum, in einer Astgabel, und sich verständlich machen und ansprechend verhalten muss, um es zu bekommen. In der Wohnung können mehrere Spielsachen versteckt werden und der Hund wird aufgefordert, ein ganz bestimmtes zu suchen.
  • Intelligentes Hundespielzeug (zum Beispiel von Nina Ottosson): Auf dem Markt gibt es inzwischen einige Holzspielzeuge, die dem Hund einiges an Überlegung, Kombinationsgabe und Technik abverlangen, um an das versteckte Futter heranzukommen. Der Hund muss an Stäben oder Knöpfen, ziehen oder drücken, Klappen heben oder hinunterdrücken, etc. Kreative Hundebesitzer entwickeln und basteln ständig neue Herausforderungen für ihre Hunde.
  • Kunststücke lernen: Dem Hund sinnfreie Kunststücke beibringen wie Männchen machen, toter Hund spielen, Pfote geben, etc. Diese an und für sich nutzlosen Kunststückchen haben mehrere Vorteile: Sie sind spassig und der Hund erhält normalerweise positive Reaktionen – man hat ihm hoffentlich nur akzeptable und sozialverträgliche Dinge beigebracht! Mit diesen positiven Reaktionen sind auch angenehme Emotionen verbunden und nur indem der Hund seine Kunststückchen aufführt kann die Stimmung des Moments zum Positiven verändert werden, wenn es einmal erforderlich sein sollte.

Spiel und Aktivität – Vorteile für Hund und Mensch

Spiel und gemeinsame Aktivität ist die Grundlage einer guten Beziehung Mensch-Hund. Intelligente Hunde, die geistig gefordert werden, entwickeln weniger problematisches Verhalten, weil ihr Aktivitätsbedürfnis von vornherein in die richtigen Bahnen gelenkt wird.

Im Spiel kann der Besitzer lernen, seinen Hund zu lehren und ihm in freundlicher und verständlicher Weise die Anforderungen an das Zusammenleben zu vermitteln.

Wenn der Hund zweckfreie Übungen und Kunststückchen kann, ist alleine das Präsentieren und die Tatsache, etwas zu können, ein Faktor der die Selbstsicherheit des Hundes fördert.

Im Hundesport, Dogdancing, Treibball oder in der sozialen Arbeit mit dem Hund als Partnerhund, im Rettungsdienst, als Lawinensuchhund können Hund und Mensch Freude und Erfüllung finden.

Bei der Entscheidung für eine bestimmte Hundesportart sollten aber immer die individuellen Vorlieben und Fähigkeiten des Hundes berücksichtigt werden. Es gibt Hunde, die dem Stress eines Agility-Bewerbs nicht oder nur für einige Zeit gewachsen sind, bis sie im Burnout enden. Sobald zuviel Ehrgeiz und Druck hinter dem Hundesport stehen ist es für den Hund kein Spass mehr, sondern kann zur Belastung werden.

Hunde brauchen nicht nur körperliche sondern auch geistige Beschäftigung. Ob der Besitzer im organisierten Hundesport oder alleine im Garten oder Wald mit seinem Hund aktiv ist, spielt keine Rolle – solange es eine gemeinsame, strukturierte und kooperative Beschäftigung ist.