Es gibt viele Weg auf den Hund zu kommen – damit die Beziehung länger hält als die durchschnittliche Ehe sollte man einiges beachten …

Welcher Hund passt zu mir?

Für viele Menschen müsste die Antwort auf diese Frage lauten: ein Stoffhund. Leider wird diese Frage nur allzu selten gestellt und Hunde werden immer noch unüberlegt, spontan oder mit völlig falschen Vorstellungen in die Familie aufgenommen.

Es gibt viele Dinge, die berücksichtigt werden können – und auf ein paar wesentliche – aus persönlicher und tierärztlicher Sicht – möchte ich hier eingehen.
Was ist ein Hund?

Bevor man sich mit Einzelheiten und Details befasst, sollten die allen Hunden gemeinsamen Eigenheiten klar sein. Völlig unabhängig von der Rasse, vom Verwendungszweck und dem Aussehen gelten diese Eigenschaften für alle Hunde.

  • Hunde sind soziale Lebewesen. Für einen Hund ist es schlimm, alleine und ohne jeglichen Sozialkontakt zu sein. Natürlich sind die meisten Hunde in der Lage, das Alleinsein zu lernen, aber es entspricht letztendlich nicht ihrem Naturell.
  • Hunde sind Bewegungstiere – laufen ist, in Abhängigkeit von den individuellen körperlichen Möglichkeiten, für den Hund ein Grundbedürfnis.
  • Hunde leben in einem soziale geordneten manchmal auch hierarchischen System. In einer Familien-Meute muss für den Hund klar sein, wie die Regeln sind und wer Führung übernimmt, auch wenn unter den menschlichen Mitgliedern überwiegend demokratische Regeln gelten.
  • Hunde sind Raubtiere. Immer noch. Auch wenn die Domestikation und die Sozialisation das Zusammenleben ermöglicht, bleibt der Hund dennoch ein Raubtier.

Diese ethologischen Grundlagen zu kennen und zu respektieren ist eine unerlässliche  Grundlage für eine, den Hund, den Besitzer und die Gesellschaft zufriedenstellende Hundehaltung.

Nach welchen Kriterien könnte man einen Hund auswählen ?

  • Grösse
  • Felltyp
  • Mode
  • Mitleid

In meiner Erfahrung sind dies 4 häufige Kriterien, nach denen ein Hund ausgesucht wird.
Wir werden untersuchen, ob und inwieweit diese Kriterien Bedeutung haben.

1. Grösse:

  • „Sowas ist ja kein Hund, das ist ja ein Insekt!“
  • „Ich möchte einen richtigen Hund!“
  • „Ich habe ein grosses Haus und einen grossen Garten, deshalb will ich einen grossen Hund“
  • „Einen grossen Hund kann man nicht in der Wohnung halten.“

Welche Bedeutung und welchen Einfluss hat die Grösse nun tatsächlich?
Kosten: dass die Futterkosten für den grossen Hund höher sind, wird noch berücksichtigt, obwohl hierbei dann häufig an der Qualität des Futters gespart wird. Wenn es allerdings zum Beispiel um die Behandlungskosten eines grossen Hundes geht, kommt Staunen auf. Insbesondere die Kosten für langfristige Medikation (z.B. Epilepsie, Herzerkrankungen) oder Diätbehandlung (z.B. Allergie, Harnsteine,  Pancreasinsuffizienz) sind nicht unerheblich.
Ein Beispiel: für eine Antibiotikatherapie über 6 Wochen aufgrund einer Hauterkrankung betragen die Medikamentenkosten beispielhaft für den Hund mit

10 kg    €      26,88
35 kg    €    215,04

Bei langfristigen Therapien zum Beispiel Herzerkrankungen sind die Medikamentenkosten für ein Jahr:

  5 kg      €     225,50
40 kg      €   1136,70

Raumbedarf: Hunde haben einen wesentlich intensiveren Stoffwechsel als Menschen. Sie benötigen daher ihrer Grössen entsprechend den gleichen Raum wie ein grosser beziehungsweise kleiner Mensch.
Das gilt auch den Transport im Auto – ein grosser Hund benötigt einen eigenen Platz im Auto. Ist sein Platz auf der Rückbank wird es nur wenige Mitfahrer geben, die sich nach einer herbstlichen Tour durch den Matsch, den Platz mit einem grossen Hund teilen wollen.
Geruch: Ein grosser Hund riecht intensiver. Bedingt durch den rascheren Stoffwechsel und die absolut grössere Oberfläche kann der Geruch eines grossen Hundes extrem intensiv und im Sommer sogar unerträglich sein. Und das kann auch durchaus beim gut gepflegten Hund der Fall sein.
À propos Pflege: kleine Hunde stellt man kurz in die Brause oder Badewanne, um sie zu baden, bei grossen Hunden wird das von den meisten Besitzern noch nicht einmal in Erwägung gezogen. Was also tun, wenn tägliches Baden notwendig wird, zum Beispiel aufgrund einer medizinischen Behandlung ?
Management und Erziehung: Wenn die Leinenführigkeit beim kleinen Hund sehr oft vernachlässigt wird, so ist sie beim grossen Hund unerlässlich.
Ein wenig Physik: Wenn 10 kg Hund auf 20km/h beschleunigt (und das ist mit der Muskel- und Sprungkraft des Hundes leicht möglich) sind es am Ende der Flexileine 55kg. (Faktor 5,5 bei 20km/h).
Macht das ein 30kg Hund ziehen am anderen Ende der (Flexi-)Leine 165kg.
Bewegungsbedarf: Ganz generell kann man sagen, dass grosse Hunde einen vergleichsweise geringeren Bewegungsbedarf haben als kleine. Nach einem ausgedehnten Spaziergang legt sich der grosse gemütlich auf den Platz und schläft, während der Zwerg immer noch zum Spielen aufgelegt ist oder nur eine kurze Pause benötigt, um wieder fit zu sein.

2. Felltyp

  • „Ich mag keine herumliegenden Haare – ich will einen kurzhaarigen Hund“
  • „Ich mag einen Pudel, der verliert keine Haare“
  • „Im Frühjahr und im Herbst muss man eben ein bisschen intensiver bürsten …“

Haarausfall: Kurzhaarige Hunde haaren bedeutend mehr als langhaarige. Das lange Haar hat einen längeren Lebenszyklus; das Wachstum, bis es ausfällt dauert länger. Der kurzhaarige Hund hat einen rascheren turnover – die Haare sind schnell ausgewachsen und werden entsprechend häufiger gewechselt. Zusätzlich sind kurze Stichelhaare mit Abstand am schwierigsten zu entfernen (Autositze, Teppichböden, etc.).
Haarwechsel: Der saisonale Haarwechsel gilt fast nur für Hunde, die den Witterungsbedingungen längerfristig ausgesetzt sind – d.h. für draussen lebende Hunde. In der Wohnung lebende Hunde wechseln das ganze Jahr über, eventuell mit Schwerpunkten im Herbst und Winter und 6 bis 12 Wochen nach Stresssituationen.
Pflegeaufwand: Bei manchen Rassen muss das Haarkleid getrimmt oder geschoren werden. Damit der Westie so weiss und niedlich wie in der Fernsehwerbung aussieht, muss er regelmässig getrimmt werden. Bei den drahthaarigen Rassen, die getrimmt werden müssen, dient dies auch der Hautpflege – unerträglicher Juckreiz ist die unweigerliche Folge, wenn die Fellpflege vernachlässigt wird.
Langhaarige Rassen, die nicht regelmässig gekämmt werden, leiden unter ihrem verfilzten Fell und sollten dann auf jeden Fall geschoren werden.

 3. Mode

  • „Ich mag einen Golden (Labrador) Retriever – das ist ein richtiger Familienhund“
  • „Ich will Agility machen – der Border Collie ist ideal dafür“
  • „Ich brauche einen Malinois, weil er der beste Hund für den Hundesport ist.“

Fernsehen, Kino und Werbung tragen entscheidend zum „Modehund“ bei. Es wird ein völlig unrealistisches Fantasiebild des Hundes dargestellt: der Golden Retriever zum Beispiel kommt schon als idealer Familienhund auf die Welt, er braucht überhaupt keine Erziehung, weil er ist ja ein geborener Familienhund.

Damit stehen die Vorstellung vom Hund und die Realität in einem heftigen Widerspruch, denn auch für den Golden Retriever gilt, was für alle Hunde gilt.

Mit der Attraktivität einer Rasse steigt die Nachfrage und in weiterer Folge das Angebot.
Hunde dieser Rassen werden als Konsum- und Wegwerfartikel produziert, körperliche und psychische Gesundheit werden vielfach weder vom Verkäufer noch vom Käufer berücksichtigt.

 4. Mitleid

  • „Ich will einem ganz armen Hund einen guten Platz geben“
  • „Er hat mich so lieb angeschaut …“
  • „Er ist so arm in seiner Box gesessen“

„Ganz arm“ bedeutet in der Regel körperlich und/oder psychisch krank.
Es spricht nichts dagegen, einen solchen Hund aufzunehmen, unter der Voraussetzung, dass man: Geld, Zeit und Kompetenz dafür hat. Fehlt es an einem der genannten Faktoren, gibt es am Ende nicht nur den „armen“ Hund, sondern auch einen leidenden, überforderten Besitzer und oftmals eine beeinträchtigte Umwelt (Aggressivität, Bellen, Jagdverhalten, etc.)
Mitleid führt in den allermeisten Fällen zu unreflektiertem Handeln, weil es letztlich darum geht, das eigene ungute Gefühl zu beseitigen und nicht um überlegtes Handeln.

Weitere Kriterien

  • Rasse
  • Körperliche und psychische Gesundheit

 5. Rasse

Man kann nach

  • rassetypischem Aussehen
  • rassetypischem Verhalten

aussuchen.

Rassetypisches Aussehen ist Geschmacksache, unterliegt der Mode, kann der Einrichtung oder Kleidung angepasst werden und hat mitunter einen nachteiligen Einfluss auf die Gesundheit des Hundes.

Hunde werden heute mit ganz wenigen Ausnahmen nur nach optischen Merkmalen züchterisch bearbeitet.

Rassetypisches Verhalten beruht auf einer ursprünglichen Selektion auf bestimmte Verhaltensmerkmale und einen bestimmten Verwendungszweck des Hundes. Züchterisch bearbeitet wurden in erster Linie die Jagdsequenz und das defensive Verhalten.

Die Jagdsequenz besteht aus vielen Einzelelementen, die beim Wolf als Allrounder noch in gleichmässiger Intensität und Abfolge vorhanden sind. Bei Hunden wurden einzelne Elemente intensiviert (hypertrophiert) während andere extrem reduziert sind.
Beim defensiven Verhalten wurden die Distanzierungsaggression und die territoriale Aggression züchterisch selektiv bearbeitet.

Körperliche und psychische Gesundheit

Zu unterscheiden ist hier die Gesundheit einer Rasse (Linie, Familie) und die Gesundheit des Individuums. Praktisch alle Rassen bringen mehr oder weniger viele, mehr oder weniger ausgeprägte Krankheitsdispositionen mit.
Beispiele für Krankheitsdispositionen sind unter anderem: Epilepsie, Glomerulonephritis, Atopie, wachstumsbedingte orthopädische Probleme, Augenerkrankungen, usw. diese Aufzählung könnte fast endlos sein.
Genetik und Umwelt tragen in wechselndem Ausmass zur Krankheitsentstehung bei.  Umwelteinflüsse sind Fütterung, Stress, Sozialisation auf belebte und unbelebte Umwelt, Bewegung, etc.

Welcher Hund passt zu mir ?

Vor dieser Frage sollte eine viel grundsätzlichere Frage beantwortet sein:

Was kann ich meinem Hund bieten ?

  • Gemeinsame soziale Aktivität
  • Bewegung
  • Soziales hierarchisches System
  • Gesellschaft

Wenn man einem Hund diese Lebensqualität nicht bieten kann oder will, beantwortet sich die Frage nach dem passenden Hund von selbst:
ein Stoffhund.