Kleine Ausflüge – NP Donauauen

Rosskopfarm

Wenn keine Zeit für eine grössere Tour ist bleibt nur eines – 24h-Ausflüge mit einer Übernachtung draussen zu machen.

Stopfenreuther Arm

Das Wetter ist schön und heiss angesagt – gerade richtig fürden Nationalpark Donauauen. Letztes Jahr war an meinem geplanten Paddeöwochenende viel zuviel Wasser in der Au, dieses Mal ist hat die Donau den niedrigsten Stand seit rund 100 Jahren!

Als Ausgangspunkt wähle ich die Donauterrasse in Stopfenreuth, weil es dort die einzige legale Möglichkeit zum Zelten gibt.
Wie einfach war es vor beinahe 30 Jahren als die Auen östlich von Wien noch kein Nationalpark waren und die Natur ihre „Besucherlenkung“ ganz alleine mit Gestrüpp, Brennesseln, Zecken und Gelsen gemacht hat. Gefühlt habe ich mein halbes Studium draussen in der Lobau verbracht – auf Wildwechseln quer durch den Wald und die Heissländen, immer auf Entdeckungsreise und keine doppeltbreiten Fahrwege auf denen Radfahrer vorbeihetzen ohne eine Idee, was ihnen dabei alles entgeht.
Mit einem Studienkollegen gemeinsam habe ich eine erste Paddeltour im Grabner Expeditionsschlauchkanadier gemacht – von Grossenzersdorf bis fast zum Schönauer Schlitz, Übernachtung im Gelsen Viersterne Hotel und mit viel Gegenwind am nächsten Tag wieder zurück. Diese Zeiten sind endgültig vorbei – obwohl auch damals sicher nicht ganz erlaubt, wäre das heute undenkbar.

Mein Auto lasse ich lieber draussen auf dem Parkplatz stehen und gehe zu Fuss in die Au. Ich habe mich für den Zeltplatz angemeldet und die Wiese ist ganz frisch gemäht!

Im Vergleich: 6.6. 2010 meterhoch überschwemmte Strasse

Nach dem ich mein Tarp aufgebaut habe, geht es einmal zu Fuss in den Auwald. Gleich nach den ersten Metern höre ich schon Jungvögel betteln und es sind Buntspechtjunge in ihrer Höhle. Die Eltern kommen mit Schnäbeln voller Insekten zum Füttern.

Am Nistloch

Buntspecht beim Füttern

In der Au blüht der Bärlauch überall und es riecht auch entsprechend, aber es kommt auch schon der warme, feuchte und erdige Sommergeruch durch, den ich so liebe.

Bärlauchblüte

Von meinen speziellen Freunden tauchen nur ganz vereinzelte Exemplare auf – das wird in wenigen Wochen und nach ein bisschen Regen schon anders sein.

Auf den Auwiesen blühen gerade das Helm- und das Brandknabenkraut, der Pannonische Milchstern und die Grillen zirpen um die Wette.

Pannonischer Milchstern

Brandknabenkraut

Ölkäfer

Zurück an meinem Lagerplatz sammle ich Holz – die Donau bringt ja bei jedem Hochwasser genug in allen Grössen heran – für mein Lagerfeuerchen. Zum Abendessen gibt es gegrillte Käsekrainer.

Abendessen am Lagerfeuer

Noch schnell ein Bild vom Mond gemacht und dann geht es ab in den Schlafsack – alles wird schon feucht, auch unter dem Tarp.

Mein erstes Mondfoto

Aber die Nacht ist warm und kuschelig bis mich vor 6:00 die Vögel und gleich anschliessend die Kirchenglocken von Bad Deutsch Altenburg auf der anderen Donauseite wecken.
Nach einem kurzen Kampf mit meinem Schweinehund, der gerne noch im warmen Schlafsack bleiben möchte gewinne ich. Mit Packraft und Kamera mache ich mich zum Stopfenreuther Arm auf – gleich neben dem Weg stehen ein paar Stück Hochwild im Wald und flüchten als ich vorbeigehe.

Der Wasserstand ist niedrig, aber nach ein paar Metern waten habe ich die Handbreit unter dem nichtvorhandenen Packraft-Kiel. Ziemlich frisch ist es noch um diese Zeit und ich beeile mich in die Sonne zu kommen. Auf dem Wasser ist es still – nur die Vögel sichern ihre Reviere lautstark und die dicken Karpfen platschen immer wieder an der Wasseroberfläche.

Am Stopfenreuther Arm

Aulandschaft

Graureiher bei der Jagd

Niedrigwasser

Vom Wasser aus sehe ich nur wenige Tiere, aber es ist ein unbeschreiblicher Genuss auf dieser stillen Oberfläche ganz langsam und leise zu paddeln. Unter der Hainburger Brücke muss ich umtragen, weil zu wenig Wasser da ist. An der Einmündung des Altarms in die Donau steige ich aus und gehe am Treppelweg wieder zurück zu meinem Tarp. Es ist Frühstückszeit!

Entenmama mit 9 Kleinen

Flussmuscheln

Schwarzer Milan mit Nistmaterial

Jugendlicher Baumläufer

Betteln hilft

Nach dem Frühstück in der Sonne mache ich mich noch einmal auf den Weg donauabwärts. Zwischendurch bleibe ich immer wieder für Minuten oder auch eine Viertelstunde oder länger sitzen und beobachte was sich so tut: Eisvögel machen Kilometer beim Heranschaffen von Fisch, ein Graureiher auf der Jagd, ein halbwüchsiges Baumläuferjunges bettelt noch um Futter, ein Schwarzmilan transportiert Nistmaterial. Nur in der Fortbewegung kann man die Au nicht richtig erleben, man muss sich ihr mit Musse und Geduld nähern.

Ausstiegsstelle

Nach einem Picknick im Halbschatten einer tropfenden Weide ist meine Zeit beinahe um und ich wandere wieder zurück, um meine ganzen Sachen einzupacken und mich  von der Au langsam und zu Fuss wieder zu verabschieden.

Im Frühtau ...

2 Kommentare

  1. Sehr schoener Bericht! Muss ich mir unbedingt im Herbst ansehen diese Gegend! Mir kommt es so vor als haettest du eine neue kamera?! 🙂

  2. In der Tat sind die Bilder alle von meinem neuen Spielzeug Finepix HS10 🙂 Sehr nett das 720 Tele – aber das Gewicht!

    Die Donauauen sind immer einen Besuch wert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

14 − zwölf =

CAPTCHA *