24: Herbstwanderung auf die Zeller Hüte

Mittlerer und Grosser Zellerhut

… oder zumindest einen der zahlreichen Hüte!
Schon lange waren diese drei Zeller Hüte, die genau so aussehen wie Kinder Berge zeichnen, auf meiner Liste.

Die steile Flanke des Mittleren Zellerhuts

Ein Bekannter wollte einen ersten Geschmack von Ultraleicht-, oder wenigstens Leichtwandern bekommen und so habe ich diese kleine Tour geführt.

Geplant war ein typischer 24 overnighter: Nachmittags losgehen und draussen schlafen, am nächsten Nachmittag wieder nach Hause. Die ideale Tourlänge um das intensive Gefühl von Draussensein zu haben und um Ausrüstung zu testen.

Reif bleibt auch tagsüber, wo ihn die Sonne nicht erreicht

Erst um 17:00 geht es los und es bleiben noch knapp zwei Stunden Tageslicht, um den geplanten Biwakplatz zu erreichen. Beim Teichbauern starten wir und im Vorbeigehen fällt mir eine Episode ein, wo ich einem im Frühjahr beim ersten Ausflug verunglückten Kalb das Bein eingegipst habe.
Zuerst geht es kurz auf der Forststrasse und bald auf einen richtigen schmalen Wanderpfad. Die Sonne ist weg und es ist gerade so kalt, dass ich mit dem Merinoshirt und dem Windshirt nicht ins Schwitzen komme.

Allüberall rund um Mariazell: Bildbaum

Nach einem knackigen steilen Anstieg erreichen wir schon in der Dämmerung den Farnboden mit der kleinen AV-Hütte. Zahlreiche der uralten Fichten sind geschlägert und liegen zum Teil noch neben den riesigen Stümpfen. Hinter der Hütte gibt es Bänke und eine kleine Feuerstelle. Zelt aufbauen kann ich im Dunkeln auch, also steht zuerst Holz sammeln auf dem Programm, bevor es zu dunkel wird.

Farnbodenhütte am frühen Morgen

Als Shelter habe ich das SMD Skyscape dabei, um es so nach und nach in allen Lebenslagen auf seine Vor-und Nachteile zu testen. Der Aufbau geht auch im Dunkeln mit klammen Fingern schnell, nur 5 Heringe sind notwendig, damit es stabil steht.

SMD Skyscape

Ein kleines Feuerchen ist aus dem etwas feuchten Holz mit Spiritusnachhilfe schnell in Gang gebracht und die Tomaten-Olivenpasta köchelt vor sich hin.
Hikers midnight und die Kälte, die das niederbrennende Feuerchen nicht mehr vertreibt, bringt uns in die Schlafsäcke.

Schon beim Einschlafen ist mir klar – die TAR Z-Rest ist bei den herrschenden einstelligen Minusgraden für mich echt grenzwertig. Auch im Phantom 15 ist immer wieder viel freier Luftraum, den ich beim jedem Mal umdrehen aufwärmen muss. Superkuschelig wird die Nacht daher nicht. Die tiefste Temperatur ist nach meiner Suunto -8, aber in der Früh wird es milder und hat nur noch um die -3.

Die Sonne kommt zwar flach über die Alm herein, aber sie wärmt schon bald und taut den Reif wo immer sie ihn erreichen kann.

Warten auf die Morgensonne

Es wird warm!

Nach einem gemütlichen Frühstück und langem Packen sind wir gegen 10:00 bereit die Zellerhüte zu erklimmen. Wieder gibt es nur ein kurzes Stück Forststrasse und dann geht es bald auf den steilen Anstieg zum Kamm eines der ersten Hüte – das Feldhütl (1434m) und dann der Oischingkogel (1606m). Die Fernsicht ist grandios – auf der einen Seite das ganze Hochschwabmassiv, schon tief verschneit, die Hohe Veitsch erhebt sich grade etwas über die Wolken und auf der anderen Seite in der Tiefe Mariazell, der Schandfleck Gemeindealm und dahinter der eindrucksvolle Ötscher. Nur in seinen Rinnen liegt noch Schnee vom letzten Kälteeinbruch, was ihm ein gestreiftes Aussehen gibt.

Gratwanderung

Hochschwab

Hohe Veitsch - gerade über den Wolken

Noch mehr blaue Berge - Hochschwabmassiv

Feldhütl und Anstieg zum Oischingkogel, im Hintergrund links Göller

Panorama vom Hochschwabmassiv

Bild anklicken, um das Panorama zu öffnen

Ötscher und im Vordergrund Gemeindealm

Und daneben der Kleine Ötscher auf dem wir vor zwei Jahren auf unserer ersten österreichischen UL-Tour unser Biwak hatten.

Von der Höhe des Oischingkogels ist auch die Sicht nach Westen ins Ennstal und bis zum Dachstein frei – leider kenne ich in dieser Richtung kaum einen der Berge.

Zwischen den Latschen liegen noch kleine Schneereste, auf denen auch die frischen Spuren von Gemsen (ja, die mit E!) und Birkhühnern zu sehen sind.

Vor dem Anstieg auf den Mittleren Zellerhut geht wieder bergab auf einen Sattel mit einer kleinen Jagdhütte. Die Quelle kommt uns für die Mittagspause auch gerade recht.

Sattel zwischen den Zellerhüten mit Jagdhütte

Erfrischende Quelle

Nach der Mittagspause steht fest – der Mittlere und Grosse Zellerhut müssen auf ein anderes Mal warten – wir steigen über die steile Nordseite ab in Richtung Seegraben ab und wandern dann am schönen Mariazeller Rundwanderweg wdurch die Grünau wieder zurück zum Auto.

Herbstlicht

Späte Sonne

Zellerhüte, I will be back! Soon!

Ausrüstung dabei – je weniger desto gut!

Laufbursche Huckepack
SMD Skyscape
Z-Rest
MH Phantom 15
Küche: Firelite 450 Titantasse, Spirituskocher, Löffel, Platypus 2l, Brusletto Messer
Icebreaker 260 LA, Cocoon Primaloft Hoody, OR Windshirt, 2x Merino Buff, Possumdown Handschuhe, Decathlon Fleecehose, JW Hose, Woolpower 800 Socken, Merinosocken
Salomon XApro3D (ohne X)
Hygiene
Suunto Altimax, Karten
Fuji Finepix f31
Fizan Stöcke
Lesestoff
Futter

Es wird bald Winter

Leuchtende Herbstfarben

Abstieg durch den Laubwald

Buchen in der Nachmittagssonne

Ein Kommentar

  1. Danke Sabine das Du dir die Zeit genommen hast , dich selbst eingebremst und mir gezeigt hast, wie es in der Praxis geht. Es war eine sehr schöne Wanderung, für mich als „interessierten Nichtgeher“ schon bald einiges über meiner Leistungsfähigkeit, aber sehr lehrreich und ernüchternd. Aber auch wenn ich drei Tage danach meine Beine noch ordentlich spüre, macht es Lust auf mehr, das war sicherlich nicht die letzte Wanderung. Als ich Dich damals beim Paddeln traf, hörte ich zum ersten Mal von „Ultra Leicht“ und tat es als Spinnerei ab. Danach hab ich die Berichte deiner Touren gesehen und begann mich damit zu beschäftigen. Kurz vor unserer ersten gemeinsamen Wanderung hab ich das Buch von Stefan Dapprich gekauft und Teile davon gelesen. Deine und auch seine Anregungen hab ich nun umgesetzt- zu Hause alles gewogen und aufgeschrieben, dabei kam heraus, das ich Dinge mit einem Gewicht von 1037 absolut unnötig mitgenommen hatte. Von den anderen Ausrüstungsteilen die ich bisher beim Kanuwandern verwendete und dabei gar nicht auf,s Gewicht geachtet habe, möchte ich erst gar nicht denken- da sind nach Anfängerschätzung sicherlich noch 3 Kilo „versteckt“. Danke für diese schöne und lehrreiche Wanderung. Kurt L.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

13 − 9 =

CAPTCHA *