PCT 2012 Vorbereitungen: Ausrüstung

Die Ausrüstung für so eine lange Tour ist natürlich ein hochinteressanter Teil der Vorbereitung: was geht mit?  was bleibt zuhause? gehts noch leichter? …Die Ausrüstung für so eine lange Tour ist natürlich ein hochinteressanter Teil der Vorbereitung: was geht mit?  was bleibt zuhause? gehts noch leichter? …

Die Herausforderung ist, neben dem möglichst niedrigen Gewicht auch noch die Notwendigkeit ein sehr breites Spektrum an Jahreszeiten – vom einstelligen Minusbereich bis zu +30°, von extrem trockenen Wüstenregionen bis zum temperierten Regenwald im Spätsommer oder Herbst ausreichend komfortabel abzudecken.
Ich möchte unterwegs so wenig wie möglich an Ausrüstung tauschen, obwohl das prinzipiell mit der sogenannten BounceBox möglich ist. Und meine Wahl wird im Zweifel eher auf das wärmere oder bewährte Teil fallen.

Das Hauptgewicht machen vor allem drei Grundelemente aus:

  • Rucksack: wie verpacke und transportiere ich den ganzen Krempel einigermassen bequem
  • Dach überm Kopf: wo wohne ich, wenn es nicht so schönes Wetter hat
  • Schlafsystem: wie schlafe ich – vor allem wie entspannend und warm

Dazu kommen dann noch einige andere Dinge, deren Summe auch noch viel Gewicht ausmachen kann:

  • Küche: wie und was gibts zu essen
  • Badezimmer: Katzenwäsche
  • Kleiderschrank: warm genug und soll das „kleine Schwarze“ dabeisein
  • Apotheke: was wäre, wenn
  • Sonstiges: ein grosses Sammelsurium von mehr oder weniger Notwendigem oder Luxus

Rucksack

Als Rucksack kommt mein schon auf dem GR4, GTPA , GR5 und in Grönland bewährter Gossamer Gear Mariposa mit. Er trägt sich auch noch bequem, wenn er vorübergehend mit 12-17 kg beladen ist. In die Schulterträger kommen als Polsterung Reservesocken oder Handschuhe.

Dach überm Kopf

Auf dem PCT herrscht überwiegend schönes Wetter – in einem der Trailberichte von 2011 ist von insgesamt nur 10 Tagen mit wesentlichem Niederschlag die Rede. Viele Nächte kann man einfach unter dem Sternenhimmel schlafen und braucht gar kein Dach über dem Kopf!
Aus diesem Grund habe ich den kühnen Entschluss getroffen mit meinem kleinsten und leichtesten Stealth Spintarp von BPL zu starten. Auch dieses Teil kenne ich sehr gut und habe es auf dem GR4, der GTPA und der GTJ sowie auf dem E4 in Zypern dabeigehabt.
Falls es doch etwas ungemütlich werden sollte, bekommt mein Trekkingschirm die Funktion einer Tür.
Gegen die unvermeidlich auftauchenden Moskitos habe ich ein kleines Moskitonetz (GossamerGearBugCanopy) dabei – das lässt sich entweder alleine aufstellen oder unter dem Tarp aufhängen.
Dazu gehören noch 6 Titan-, 1 Easton Alu- und 1 MSR Y-Hering, mit dem man auch die kleinen catholes graben kann.

Für den Fall, dass ich mit der minimalistischen Behausung doch nicht so ganz glücklich bin, werde ich das SixMoonDesigns Skyscape in meiner BounceBox dabei haben – das ist dann zumindest eine zeltähnliche Behausung.

Schlafsystem

Mein wichtigster Rückzugsort unterwegs ist mein Schlafsack! Während auf kurzen Touren grenzwertiger Komfort kein Problem ist, vor allem wenn ich diese Grenzen ausloten möchte, gibt es für mich auf so einer langen Tour keine Kompromisse, wenn es um ausreichend warm geht. Ich bin nicht nur ein cold sondern ein very cold sleeper, das bedeutet, mein Körper meldet schon Alarm, wenn in meiner Schlafhöhle noch Temperaturen herrschen, wo sich andere alle Schichten herunterreissen würden. Auf Dauer machen diese dauernden grenzbewussten Kältealarmreaktionen müde und unentspanntes Schlafen – auch mit Training auf der Terrasse kann ich sie nicht abstellen.

Also habe ich mir letztes Jahr für die Finnlandtour einen kuscheligen Daunenquilt genäht, der mit einem daunengefüllten Draftstopper nun eine Gesamtfüllung von 515g Daune bei insgesamt 830g hat. Die ganze Füllung ist im Quilt so verteilt, dass sie dort Isolation bietet, wo sie etwas bringt und dort wo sie am Rücken ohnehin zusammengepresst wäre, gar keine ist. Damit sollte auch für mich der einstellige Minusbereich komfortabel bleiben.

Über den Quilt kommt je nach Wetterlage noch ein atmungsaktiver selbstgenähter Bivy, der vor allem Wind und Feuchtigkeit oder Spritzwasser abhält.

Die Schlafunterlage ist der zweite wesentliche Teil des Schlafsystems und erfüllt die Polsterung – aber noch viel wichtiger – die Isolation gegen den Boden. Aufblasbare Matten sind zwar bequemer, aber nur so lange sie kein Loch haben oder delaminieren. Da ich kein Problem mit harter Unterlage beim Schlafen habe, ist meine Kombination eine körperlange Multimat Adventure mit einer torsolangen ThermaRest RidgeRest Solar. Das ergibt einen schönen Kompromiss aus akzeptablem Packvolumen mit unkaputtbarem Wärme- und Liegekomfort.

Als Bodenunterlage für die Schlafmatte ist noch eine Alurettungsdecke mit. Die hält bei sorgsamem Umgang gut und gerne 2000 km und lässt sich nie wieder so klein zusammenlegen wie sie einmal war. Das Knistern hält kleines Getier von nächtlichen Besuchen ab und im Notfall kann die Rettungsdecke ihrem eigentlichen Zweck entsprechend auch noch einiges.

Küche

Bei der Küche ergäbe sich bei mir ein grösseres Einsparungspotential – jede Menge Luxus dabei!
Zunächst einmal habe ich zwei Kocher, die unabhängig, aber auch in Kombination gut funktionieren – meinen bewährten und geliebten Bushbuddy Ultra und einen leichten Spirituskocher. Mit dem Bushbuddy war ich auch schon in feuergefährlichen Regionen wie Zypern unterwegs und das Lagerfeuer-Feeling ist einfach unschlagbar ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Kleine Holzstückchen sind nahezu überall zu finden, das dauernde Nachlegen mag ich als Beschäftigung und mit dem unbegrenzten Brennstoffangebot kann ich auch einmal bedenkliches Wasser ab- oder Eier hartkochen.
Als Ergänzung dazu kommt ein selbstgebauter Dosenkocher mit, wenn es einmal schnell gehen soll oder gar kein brauchbares oder trockenes Holz als Brennmaterial verfügbar ist.
Je nach aktueller Feuergefahr aufgrund des Trockenwinters in Kalifornien wird sich dann noch zeigen, ob ich den Schwerpunkt abschnittsweise nicht auf Kaltverpflegung legen werde.

Menüs werden im Eintopfmodus erstellt – mein 900ml Snowpeak Titantopf ist dabei und dient auch gleich als Essgeschirr. Als Umverpackung gibt es einen Potcozy, der warmhält, wenn das Essen rastet, bis es gar ist. Ausserdem schützt der Cozy die andere Ausrüstung vor dem Russ, der sich am Topf beim Kochen auf offenem Feuer sammelt.
Das Besteck besteht aus einem MSR Titanlöffel – und das war es auch schon.
Der wirkliche Luxus sind jedoch meine Primus Teekanne und die Kuksa – auch auf einer monatelangen Wanderung muss man nicht jegliche Ästhetik und Stil vergessen, ganz im Gegenteil wie ich finde! Da ich da draussen auch unterwegs bin, weil ich die Schönheit reizvoll finde, darf dann ohne weiteres etwas Schönheit im Rucksack dabei sein.  Die Kuksa hat zudem weitere Funktionen als Mess- und Schöpfbecher und sogar als Spülwasserbehälter, der das Klopapier ersetzt.
Diverse Wasserflaschen – als auswechselbare PET-Flaschen oder faltbar und funktionell als Kopfpolster die Platypus 2 Liter.

Badezimmer

Hygiene ist nicht nur durch Dusche definiert – es gibt tatsächlich auch einfachere Wege für die tägliche Körperhygiene unterwegs. Soferne ausreichend Wasser zur Verfügung steht, ist Waschen kein Problem; für besondere Tage auch ein „Minibad“ aus dem Kochtopf mit warmem Wasser. Ein kleines Stück Hotelseife, ein Ministück Lush Kompakt-Shampoo, in kleine Mengen abgefüllte Zahnpasta, eine gekürzte Zahnbürste mit einem Microfaser-Handtuch sind die Basics. Dazu kommen noch Lidschatten, Wimperntusche, Nagellack … im Beautycase. Mmmh, vielleicht doch nicht so wichtig – aber Nagelzwicker, Papierfeile, ein abgezwickter Einmalrasierer und ein DivaCup sind dabei. Vor allem für die Wüstenetappen, wo Trinkwasser rar ist, sind noch ein paar Feuchttücher im Gepäck, die – in der richtigen Reihenfolge angewendet – eine vollständige Katzenwäsche erlauben.

An Pflege noch mit dabei sind Hirschtalg und Sonnencreme in kleinen Portionen.

Kleiderschrank

Das grosse Temperaturspektrum vom Minusbereich bis zu 35° im Schatten erfordert ein flexibles Schichtensystem: Mit der Summe aller Bekleidungsschichten hoffe ich mich für die schlimmsten Temperaturen warm zu halten, Wechselkleidung gibt es ausser Socken und Unterhose so gut wie keine.

  • Funktionshirt Kurzarm
  • Funktionsshirt Langarm – RailRider EcoMesh
  • Fleecepullover – Jack Wolfskin Gecko
  • Merinoshirt 140 Langarm (nacht) – BPL
  • Windshirt – Outdoor Research
  • Primaloftjacke – BPL Cocoon Hoodie
  • Regenjacke – DriDucks bzw. Haglöfs Oz
  • ZippOff Hose – no name
  • Fleecehose (ev. nacht) – Decathlon
  • Regenhose – DriDucks bzw. Berghaus Paclite
  • Socken – ein Paar an, ein Paar zum Wechseln, ein dickes Paar zum Schlafen
  • Handschuhe – PossumDown
  • Merino Buff
  • Überhandschuhe – Nylon-Rektalhandschuhe oder MYOG Silnylon
  • Minigamaschen – MYOG oder DirtyGirl
  • Lederhut – Bill Campbell – wunderbarer Sonnenschutz und wasserabweisend, ohne schwitzig zu sein
  • Schuhe – Salomon XAPro3D oder ähnliche mit Superfeet green Einlagen
  • Unterhosen – eine an, eine gewaschen
  • Bikini – in den USA ist FKK nicht so der Renner und wird eher mit Arrest geahndet, aber es gibt einige Hot Springs unterwegs, auf die ich nicht verzichten möchte

Apotheke

Als Tierärztin habe ich da irgendwie einen gewissen Anspruch und meine Apotheke ist etwas umfassender als die der durchschnittlichen Weitwanderer, die sich oft nur auf Blasenpflaster und Ibuprofen beschränken. Unterm Strich kommt ein halber Emergency Room raus, scheint mir aber alles gut p durchdacht, dosiert und das Gewicht wert.

  • klein wenig Verbandsmaterial – Raucolast, Vetrap, Tupfer, Tampons, Grassolind
  • Leukotape
  • Steristrips
  • steriles Nahtmaterial
  • Compeed Blasenpflaster
  • Pflaster
  • Liquid Bandage
  • Einmalkanülen
  • Skalpellklinge, Sägeblatt
  • Ibuprofen
  • Novalgin
  • Aspirin
  • Oculoheel Einmalaugentropfen
  • Rennie Antacidum
  • Suspension mit AB, Antimykotikum und Cortison (für Hautveränderungen)
  • Metronidazol (Giardia)
  • Azithromyzin (AB für echte Notfälle)

 

Sonstiges

Das ist ein richtig grosser Posten, in den der ganze Kleinkram hineingestopft ist und auch dieses Kleinvieh macht noch gewichtigen Mist!
Elektronik: Da beschränke ich mich auf das Wesentliche und nehme nur meine energiesparende Kamera (FujiFinepix F31fd) mit insgesamt 3 Akkus und 7 Speicherkarten zu 11 GB mit. Dazu kommt in die BounceBox das Ladegerät mit Adapterstecker für die USA; ausserdem ein xD-USB-Stick und ein weiterer miniUSBStick, auf dem die wichtigen Dokumente gespeichert sind.

Als Taschenlampe ist die Photon Rex mit dabei, die mit den 4 LEDs sehr hell ist und mit dem klitzekleinen Ladeset an jeder beliebigen Batterie aufladbar ist. Die Suunto Altimax als Uhr und Höhenmesser ist vorrangig für die Orientierung wichtig.
Definitiv nicht dabei sind:  Handy, MP3-Player und auch nicht der SPOT II Satellitensender.

Swinglite Trekkingschirm von Euroschirm gegen Sonne und Regen sowie bei Bedarf als Tür für mein Tarp.

Fizan Trekkingstöcke mit umgebauten Griffen, so dass ich beide Stöcke in eine Hand nehmen kann.

Reparaturset mit Silnylon, Superkleber, Kabelbinder, Nähzeugs, etc. für den Fall der Fälle. Ductape ist an meinen Trekkingstöcken bei Bedarf verfügbar.


Sonnenbrille, Moskitonetz, Notizbuch mit Bleistift für den Reisebericht und selbstverständlich ist wie immer ein gutes Buch mit auf der Wanderung: Im Moment stehen in der näheren Auswahl Thoreau, Walden oder Goethes Italienische Reise möglicherweise aber auch Scotts Tagebuch seiner Südpolexpedition. Vor allem das letztere könnte doch in der Mittagshitze der kalifornischen Wüste interessante Literatur sein.
Reisepass, Geld, Kreditkarte und diverse Permits.
Und zuletzt sind natürlich auch Kartenmaterial und Guidebooks in kleinen Portionen abgepackt eine Notwendigkeit.

Unterm Strich kommen derzeit angenehme 5,2kg Basisgewicht ohne Wasser, Verpflegung oder Brennstoff heraus. Bei all dem Luxus bin ich damit schon sehr zufrieden vor allem im Hinblick auf die grösseren Wasserrationen, die in der Wüste zu tragen sein werden.
Mit rund 5-7kg Futter und 4-6 Litern Wasser sind dann zeitweilig immer noch um die 15kg im Rucksack – grade noch OK für mich, wenn ich weiss, dass es nur Futter oder Wasser ist.

Und hier auch noch mit den Gewichtsangaben und mit all den in der Beschreibung vergessenen Dingen – die derzeitige Packliste:

 

 

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von Euroschirm gegen Sonne und Regen sowie bei Bedarf als Tür für mein Tarp.

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Als Taschenlampe ist die

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von Euroschirm gegen Sonne und Regen sowie bei Bedarf als Tür für mein Tarp.

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Als Taschenlampe ist die

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4 Kommentare

  1. Mensch, Sabi, perfekte Planung würde ich sagen! Nimm mich mit! 😉

  2. Hallo Sabine, wow, klasse Seite! Sehr hilfreich. Starte selber auch ende April die PCT. Aufregung pur 🙂 LG

  3. Klasse Sabi,
    damit hast Du mal wieder meine Gedanken für den PCT auf Trapp gebracht.
    Da wird gefeilt bis es passt…
    Warum nimmst Du den Easton mit und nicht lieber 2x den MSR? Ich finde die wesentlich einsetzbarer.

    Bester Gruß, Rio

  4. Bis zum letzten Moment wird getüftelt! Zuerst packt man’s aus und dann kommt: soll ich vielleicht nicht doch …? 🙂
    Ich nehme nur einen MSR mit, weil ich nur den einen habe – mir ist klar, dass der blaue Easton nur die zweitbeste, aber vorhandene, Lösung ist.

    @all: Mitkommen kein Problem – sind ja noch über 30 Tage!
    ZUm Thema Planung: Life is what happens while you make other plans …

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