Quer durch Zypern auf dem E4 (I)

Ein leider nur allzu typisches Bild vom E4

Die Tage werden kürzer und der Winter mit monatelangem Hochnebel über dem Donautal naht und mir schwebt schon im Herbst so eine Wanderung in sonnigen Gefilden vor … Nach ein wenig Recherche fällt meine Wahl auf Zypern – auf den Balearen ist es mir im Februar/März noch zu kalt und alternativ waren noch die Kanarischen Inseln oder auch Israel auf der Liste. Der Europäische Weitwanderweg E4 ist seit 2005 bis nach Zypern verlängert – und das klingt  ja schon ziemlich gut. Im Internet kann ich trotz dreisprachiger Recherche keine Tripreports zu diesem Abschnitt des E4 finden. Na gut denk ich mir, da könnte sich ja vielleicht sogar ein kleines Buchprojekt ergeben, denn offensichtlich ist dieser schöne Weg in einer tollen Winterwandergegend nicht wirklich heftig bewandert oder dokumentiert. Und das hätte mir doch irgendwie zu denken geben sollen …

Frühling!

11.2. Um 3:45 aufstehen und noch im Dunklen fahre ich zum Flughafen nach Wien – alles läuft rund. In Nürnberg muss ich umsteigen und da steht mein Rucksack in der Gangway vor dem Eingang ins Flugzeug. Ich frage natürlich den danebenstehenden Mitarbeiter in seiner leuchtgelben Warnweste, ob sie denn meinen Rucksack bitte auch noch einpacken und mitnehmen würden. Er grinst mich an und nachdem ich ihn identifiziert hatte, wird er auch eingepackt. Was auch immer da dran so verdächtig war … Auf dem Flug gibt es fast durchgehend gute Sicht auf die schneebedeckten Karpaten, das Mittelmeer und da wir über Antalya fliegen auch auf die Berge, an denen offensichtlich der Lykische Weg verläuft. Zypern kommt in Sicht und ich sehe keinen Schnee auf den Bergen, alles ist leuchtend grün, der Raps und die Bougainvillea blüht.

Farbenspiele

Zyklamen oberhalb eines Steingrabs

Kurz vor 13:00 bin ich in Larnaka, es hat sonnige 16° bei etwas Wind. Als ich vom Klo komme muss ich zum Gepäckband sprinten, weil mein zuletzt verladener Rucksack schon als erster am Band liegt und wieder in dem Loch nach draussen verschwinden möchte. Schnell ist er aufgeschultert, durch den Zoll und hinaus zu den Bussen. Als ich auf den sonnigen Platz komme, fragt mich ein Taxifahrer wo ich hin möchte – Paphos, by bus –  und er zeigt auf den gerade abfahrenden Bus. Ganz selbstverständlich läuft er los, hält er den Bus an der Parkplatzausfahrt auf und erklärt dem Fahrer, dass er mich auch noch mitnehmen soll. Kaum aus dem Flugzeug und dem Flughafen draussen sitze ich um 8,- schon im klimatisierten Bus nach Limassol. Es geht 60km bis zum Busdepot in Limassol in rund einer dreiviertel Stunde. Dort muss ich auf den Anschlussbus nach Paphos warten, der erst um 16:25 abfährt. Im Wind ist es zwar noch ziemlich kühl, aber mit der Windjacke im Wartehäuschen und einem gute Buch ist es aushaltbar. Die Sonne steht schon ziemlich tief als ich nach einer weiteren dreiviertel Stunde im Bus um 2,50 in Paphos ankomme. Ich bin am Busbahnhof, habe aber ansonsten nicht die geringste Ahnung wo ich bin, daher folge ich einmal meinem Gefühl. Zuerst bin ich aber einmal fasziniert davon wie die Sonne als Glutball ins Meer plumpst und im Osten diesen typischen mediterranen Pastellschimmer in rosa-violett hinterlässt. Um nicht völlig ohne Quartier dazustehen habe ich mir ein paar Adressen von Hotels ausgedruckt und frage mich so durch bis ich auf der Tombs of the Kings Road ankomme. Das King’s Hotel (kann über Hihostel gebucht werden) ist ein freundlicher sauberer Laden für 30,-/Nacht und 24h Internetzugang gratis dazu. Alle Menschen, die ich bisher getroffen habe sind extrem freundlich und von sich aus hilfsbereit. Das Handy ist sofort ausgepackt, um den Busfahrplan abzufragen, der Busfahrer erklärt gleich beim Aussteigen wo der nächste Bus halten wird, Umstehende übersetzen bereitwillig ins Englische, wenn es erforderlich ist.

Kathedrale von Paphos

12.2.

Ausgrabungsstätte mit Paulussäule (unter dem Baum)

Ich bleibe einen Tag in Paphos zum Eingewöhnen, Einkaufen und Ruinen betrachten. Ganz in der Nähe des Hotels gibt es zwei grosse Supermärkte, wo ich auch Spiritus kaufen kann: 3,71 für 0,35 Liter (in der Glasflasche!)  Paphos ist UNESCO-Weltkulturerbe und voller alter Steine, Ruinen und Mosaike. Das Ausgrabungsgelände ist zu einem Archeopark gestaltet worden, der einen Besuch wert ist. Am Nachmittag gehe ich am Meer entlang noch bis zu den Königsgräbern und schliesslich zurück ins Hotel.

Mosaik - die Geschichte mit dem Faden und dem Labyrinth und dem Stier ...

Ausblicke in Paphos

Sonnenuntergang mit dem Leuchtturm von Paphos

13.2.

Erste Etappe: Paphos Airport – Stavros tis Minthis

Wenn eine Wanderung nicht mit einem Picknick beginnen kann, dann wenigstens mit einem ausgiebigen English Breakfast! Mit dem Bus 612 kann ich direkt vor dem Hotel weg um 1,- zum Flughafen fahren. Genau um 12:00 bin ich da und während alle anderen aus dem Bus ins Flughafengebäude gehen, suche ich den Anfang des E4. Gleich hinter den Parkplätzen, links das Meer finde ich das Startschild des E4.

Am Startpunkt de E4 in Paphos

Links das Meer, rechts der Zaun vom Flughafen

Es geht in gut warmer Mittagssonne auf einem typisch mediterran verschmutzten Schotterweg zwischen dem Meer und dem Flughafenzaun entlang. Noch helfen mir meine Ausdrucke von Google Earth und da keine Abzweigung markiert ist, nehme ich die zweite oder dritte Schotterstrasse nach dem Ende des Flughafens. Irgendwann ist die Strasse asphaltiert und es taucht auch wieder ein E4 Schild auf. Nach 1,5 Stunden bin ich wieder in Acheleia auf der B6, wo der Bus zum Flughafen vorbeikam. Die Markierung verweist nach rechts und dann nie wieder nach links. Nach einigem Suchen und einer Mittagspause beschliesse ich, dass es nur bei Akis Taverne links und vor dem Wasserreservoir wieder links gehen kann. Das Hinweisschild, das den Durchgang durch das trockene Flussbett verbietet ignoriere ich einfach. Auf der anderen Seite folge ich dem Aquäduct und nach einiger Zeit klebt da dran auch auch eine Markierung. Ab jetzt ist der Weg klar – immer im ausgetrockneten Tal am Aquäduct, der den Potamos tis Ezousas fasst, entlang unter der Autobahnbrücke durch. Es ist Sonntag und an allen Ecken und Enden wird mit Schrotgewehren herumgeballert.

Am Aquäduct entlang unter der Autobahn durch

Zwischendurch ist die Landschaft immer wieder möbliert …

Pause gefällig?

Der steht sicher auch schon etwas länger hier

Es geht kaum merklich bergauf und nach rund einer Stunde endet der Aquäduct und der Fluss, eigentlich ein Bach, wird wieder sichtbar. Einige Male muss ich sogar furten, weil das Wasser breit über die Strasse fliesst oder Strasse und Fluss in einem Bett verlaufen.

Es gibt tatsächlich Stellen zum Furten!

An einer Ziegenfarm stehen zwei unklare Markierungen, aber ich interpretiere sie als Nicht-Abzweigung und bleibe auf der Schotterstrasse.

Markierungsdesaster!

An einer kleinen Betonbrücke zweige ich bergauf links auf eine Betonstrasse ab, es hat schon ewig keine Markierungen mehr gegeben, und erreiche Episkopi. Dort gibt es ausser zwei Kafenions nichts Sehenswertes. In einem der Kaffeehäuser frage ich nach, ob es hier so etwas wie Unterkunftsmöglichkeiten gäbe. In dem grossen Raum mit Estrich-Fussboden sitzt an einem kleinen Tischchen ein altes Paar, dick in Mäntel eingepackt vor einem Heizstrahler, am anderen Ende des Raumes ein riesiger Flachbildfernseher. Beide schauen mich an als hätten sie eine unheimliche Begegnung der dritten Art und nach und nach tauchen andere Familienmitglieder auf, die alle nichts von einer Unterkunft im Ort wissen. Gut, dann eben nicht – wandere ich wieder bergab ins Flusstal, es bleibt noch rund eine Stunde hell bis um 17:30. An einer Brücke pumpt ein Bauer Wasser in die blauen Tonnen auf seinem PickUp.  Als ich ihn frage, ob ich denn auf dem richtigen Weg nach Moro Nero und Stravros tis Minthis (den nächsten Namen, die ich auf der Karte entziffern kann) wäre, findet er es völlig unmöglich das zu Fuss zu gehen und besteht darauf mich in seinen PickUp zu verpacken und mich hinzuführen. Vorher gibt er mir noch Trinkwasser aus seiner Flasche, weil das Flusswasser soll ich nicht nehmen, es ist nicht sauber genug.

Mein erstes Nachtlager

Über abenteuerliche Schotterstrassen ruckeln wir im ersten Gang mit Untersetzung bergauf – zuerst bleibt er bei Moro Nero, einer alten Kapellenruine, stehen und dann setzt er mich an der Abzweigung der Strasse nach Stavros tis Minthis ab und weist mir den Weg. Mir bleiben um 17:30 noch ein paar Minuten am Rande eines Feldes einen Biwakplatz zu finden und dann wird es ziemlich schnell finster. Auf meinem Hügel ist es recht windig, aber es gibt auch einen herrlichen Blick über Paphos. Der Eiernockerl-Mond leuchtet hell, wenn keine Wolken da sind. Die erste Nacht am E4 ist lang und kuschelig warm. In der Früh ist trotz viel Wind alles voller Tau und Kondenswasser auf und unterm Tarp.

14.2.

Zweite Etappe: Stavros tis Minthis – Pegeia – Paphos

Ich bin früh wach, räkle mich aber trotzdem noch bis 8:00 in meinem kuscheligen Schlafsack. Zum Frühstück gibt es mit dem wenigen Wasser, das mir von gestern noch geblieben ist Instant Porridge und Tee. Gegen 9:00 breche ich auf und komme sogleich an eine grosse Baustelle, die ich schon vermutet habe, weil jede Menge Schotter- und Betontransporte vorbeikommen. Links liegt der Golfplatz und mitten drin steht auch das ehemalige Kloster Stavros tis Minthis nach dem dieser Ort benannt ist. Die Markierungen fehlen und ich kann auch nur vermuten, von wo der E4 aus dem Tal käme, wenn ich ihn denn gegangen wäre. Nach der Grossbaustelle zweigt eine Sandstrasse links ab und nach einer Stunde überquere ich die E702.  Nach Tsada sind es von hier noch 2km Abstecher, aber ich gehe am E4 weiter. Gleich nach der Abzweigung gibt es einen Brunnen. Ab hier ist es markiert und nach einer halben Stunde ist die nächste Hauptstrasse B7 zu überqueren. Nach 100m auf der Hauptstrasse geht es rechts bergauf und über einen kleinen Sattel – ein schöner Ausblick über die Weingärten!

Ein kleiner Sattel ...

... und der Ausblick dahinter

Auf der ebenen Schotterstrasse geht es zügig voran bis ich an eine Dreifachkreuzung komme. Noch bin ich nicht darauf eingestellt, Markierungen im Strassengraben und Gebüsch zu suchen – nach einigem Überlegen entscheide ich mich für rechts. Leider falsch und den Ort den ich für Koili halte ist vermutlich Stroumpi oder Polemi. Also wieder zurück zur Abzweigung und den linken Weg genommen – da sehe ich dann auch die Markierung im Graben liegen.

Markierung im Strassengraben

Auf der linken Staubstrasse geht es auch durch Weingärten, in einem grossen Bogen um einen Taleinschnitt herum und auf die Strasse nach Koili. Auf einer Hinweistafel wird man für Übernachtungsmöglichkeit auf einen 5km Abstecher nach Kamares (Tourist Village) oder 12km nach Paphos (wo man ja eigentlich herkommt) geschickt. Etwas bergab auf der Strasse und nach dem Friedhof zweigt links der E4 ab. An einer sonnigen Steinmauer mache ich meine ausgedehnte Mittagspause – so ganz will mir dieser Wanderweg noch nicht gefallen, aber es ist wenigstens sonnig und warm.

Auf dem Weg nach Pegeia

Von nun an geht’s bergab auf einer Schotterstrasse ins Tal des Mavrokolympos, ein kleiner Bach, der aber sauberes und erfrischendes Wasser führt. Auf der anderen Seite des Baches gibt es einen kleinen Abstecher zum Bad des Adonis. Um die beiden Wasserfälle, das Museum, die Mühle zu sehen und im kleinen Teich zu baden muss man 9,- Eintritt zahlen. Ich bitte nur um Wasser worauf der Besitzer meint, er hätte nur abgefüllte Wasserflaschen zu verkaufen. Sein Brunnen hätte kein Trinkwasser, aber er trinkt es schon. Ich auch.

Adonisbad

Aus dem Flusstal geht es durch Ziegenland wieder bergauf mit Blick über einen Stausee und Coral Bay am Meer. Nach einem kurzen Stück auf der Strasse F704 taucht der erste Weg des E4 auf, der tatsächlich nicht mehr mit dem Auto befahrbar ist, weil die Hälfte der Strasse weggeschwemmt wurde. Ich freue mich erstmals auf sie etwas wie einem Wanderweg sein – aber nicht lange. Denn der endet in einem aufgelassenen Steinbruch, der jetzt als Mülldeponie benützt wird. Alles raucht und qualmt, stinkt grauslich und sieht aus wie die Kulisse für einen Katastrophenfilm.

Der E4 - durch die rauchende Mülldeponie

Markierungen gibt es natürlich keine und wieder einmal gehe ich falsch, zurück auf die F704, die mich nach Coral Bay bergab führt. Allerdings wollte ich ja nach Pegeia in der Hoffnung dort eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Für ein Biwak eignet sich diese Ecke gar nicht. Pegeia, wo der E4 durchgeht, hat allerdings überhaupt keine Hotels. An einem Kiosk beschliesse ich nach einem Tag Strassenwanderung völlig demotiviert und müde abzubrechen. Ich rufe ein Taxi, um nach Paphos ins King’s Hotel zurückzufahren.

Frühling - Orchideenblüte (unbestimmt)

Auch die Mandelbäume blühen

Noch eine Orchideenart (unbestimmt)

Grünschattierungen

Weingärten

Ein Kommentar

  1. Wir sind schon ganz gespannt auf die Fortsetzung.

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